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    Selbstverletzung [SVV]


    Selbstverletzendes Verhalten äußert sich in den unterschiedlichsten Facetten und Ausprägungen. Die verbreiteteste Form der Selbstverletzung ist die “Offene Selbstverletzung”: Betroffene fügen sich Verletzungen zu, um seelischen Druck abbauen zu können. Hierzu gehört vor allem das Ritzen (Schneiden mit Rasierklingen, Glasscherben, Messern) an Körperstellen, die gut versteckt werden können (Arme, Oberschenkel, Brust- und Bauchbereich). Auch Verbrennungen und Verbrühungen mit Zigaretten, Herdplatten oder kochendem Wasser, Bisswunden, Haare ausreißen, wiederholtes Kopfschlagen, extremes Nägelkauen bis zum Abbeißen der Fingerkuppen sind Formen der offenen Selbstverletzung.
    Selbstverletzendes Verhalten bei Jungen äußert sich eher in aggressivem Verhalten nach außen und ist oft nur schwer zu erkennen: Sie neigen zu gefährlichen Mutproben und schädigen ihren Körper durch exzessives Verhalten mittels Drogen, Extremsport, wenig Schlaf.

    Selbstverletzendes Verhalten - WARUM?

    Autoaggression, Gewalt gegen sich selbst, ist eine Antwort auf großen seelischen Druck. Die Ursachen hierfür sind vielfältig: Zum einen bilden schwerwiegende Belastungen wie Misshandlungen, Missbrauch und Traumatisierungen die Grundlage für das Auftreten selbstverletzenden Verhaltens, zum Anderen auch eher unterschwellige Belastungen in Familie, Schule und Freundeskreis. Der innere Druck, Hilflosigkeit, Wut und Enttäuschung sind wie ein Ballon, der bis zum Bersten mit Luft gefüllt ist. Die Betroffenen fühlen sich ohnmächtig gegenüber ihren eigenen Gefühlen und sind emotional abgeschnitten von der Welt. Der zugefügte Schmerz durch die Verletzung wird kaum empfunden, wirkt aber wie eine Erlösung: Endorphine (Glückshormone) werden ausgeschüttet, der körperliche Erregungszustand ebbt ab, die Betroffenen fühlen sich wieder frei und können das Gefängnis ihrer erdrückenden Gefühle für den Moment sprengen.

      Doch hier beginnt der Teufelskreis: Selbstverletzendes Verhalten wirkt wie eine Droge: Auf Anspannung erfolgt Entspannung. Auch wenn die Betroffenen sich für ihre Tat schämen und großen Frust empfinden, bleibt die Erkenntnis, dass die Selbstverletzung geholfen hat. Diese positive Erfahrung entwickelt sich zum generalisierten Verhalten und nimmt Suchtformen an. Im chronischen Verlauf können dann bereits kleinere Stress- oder Erregungsauslöser ausreichen, um den Prozess der Selbstverletzung erneut in Gang zu bringen.

    Welche Symptome treten häufig in Kombination mit selbstverletzendem Verhalten auf?

    - Bulimie oder Essattacken
    - Suchtmittelmissbrauch
    - Wutanfälle
    - Heftige Stimmungsschwankungen
    - Angst
    - Selbstwertprobleme
    - „Schwarz-Weiß-Denken“: etwas ist entweder ganz gut oder ganz schlecht
    - Retraumatisierung


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